- Zuallererst eine Anlagestrategie formulieren, die auf den eigenen Zielen (zb Sicherung des vorhandenen Vermögens oder möglichst grosse Wertsteigerung) und der Risikobereitschaft (Akzeptanz eines 50%-igen Verlusts) aufbaut.
- Festhalten an der einmal formulierten Strategie: Was nicht heisst, diese in Stein zu meisseln - aber eben auch nicht, sie bei der ersten Verunsicherung gleich wieder zu kippen.
- Geduld ist meist der beste Ratgeber: Anlageerfolge stellen sich nicht innert kürzester Frist ein - ist dies mal der Fall, so handelt es sich eher um Glück denn um eine bereits erfolgserprobte Strategie. In der Regel empfiehlt es sich, die Strategie zumindest einmal jährlich zu überdenken - aber auch nicht viel häufiger.
- Viel Hin und Her macht die Taschen leer - und vergeudet viel Zeit: Dies ist wohl eine der treffendsten Börsenweisheiten, die sonst ja meist ziemlich hohl sind (wie «Sell in May and go away»). Die Weisheit gilt auch für die gesamte Anlagestrategie - denn auch der Wechsel von der Börse weg in andere Anlageklassen wie Sparbücher oder Obligationen verbraucht viel Energie, nicht nur Spesen.
- Um Disziplin und Geduld zu üben, ist ein Finanztagebuch nicht zu vergessen: Schreiben Sie alle relevanten Überlegungen und Entscheide kurz und knapp auf - so wissen Sie auch später, warum Sie so und nicht anders entschieden haben. Das bewahrt voraussichtlich auch vor überstürzten Entscheiden.
- Es gibt keinen richtigen Anlagezeitpunkt: Das gilt nicht nur für Aktien - in der aktuellen turbulenten Finanzwelt können politisch oder anders bedingt die Verhältnisse sehr schnell ändern.
Und dann war eben ein bestimmter Moment für einen weit reichenden
Entscheid genau der falsche und selten der richtige. Wer hätte den
rasanten Fall des Goldpreises vorausgesehen (der Schreibende nicht)?
- Konstant handeln und in kleinen Schritten vorgehen: Wichtiger als auf den richtigen Moment zu warten ist es, kontinuierlich und in kleinen Schritten vorzugehen. Bezüglich Goldanlage kann das zb heissen, monatlich 10, 50 oder 100 Gramm zu kaufen - je nachdem auch als so genannte ETF (siehe unten mehr dazu). Und das über einen langen Zeitraum, um eine substantielle Goldposition aufzuzbauen zu einem insgesamt durchschnittlich guten Preis. Ähnlich ist auch mit einzelnen Aktien - oder noch besser mit Anlagefonds - vorzugehen.
- Anlegen mit Fonds noch immer einer der Köngiswege: Und zwar, weil es eben nicht ratsam ist, alle Eier in einen Korb zu legen im Hinblick darauf, dass dieser Korb ja runter fallen könnte. So gibt es in vielen Anlagebereichen, vor allem aber bei Aktien eben die Möglichkeit, statt nur in einzelne in eine ganze Reihe von Papieren zu investieren. Und ksotengünstig machen das eben die erwähnten Exchange Traded Funds (ETF). Damit ist man dann zwar nicht besser als der Durchschnitt aller AnlegerInnen in einer bestimmten Anlageklasse, aber eben auch nicht schlechter als dieser Durchschnitt. Bekannt ist ja vielleicht der Witz, wonach sich mehr als drei Viertel der AutofahrerInnen als überdurchnittlich gut einschätzen.....
- Bei Unsicherheit nehme man / frau sich ganz einfach - Zeit: Anlageentscheide drängen in den seltensten Fällen. Wer also beispielsweise plötzlich über eine grössere Summe verfügt (aufgrund einer Erbschaft oder der Auszahlung einer Freizügigkeitslösung), lege diese auf einem vergleichsweise gut verzinsten Sparkonto, allenfalls in einer (durch den EinlegerInnenschutz auch gedeckten) Kassenobligation an. Erst wenn Sicherheit besteht (siehe Anlagestrategie) soll der Entscheid für eine neue Anlagelösung fallen.
- Nachhaltige Geldanlage ist eine tolle Sache - aber: Vorsorgemedia hat immer wieder die guten Seiten einer an Nachhaltigkeit orientierten Anlage betont. Aber auch solche Anlagen sind vor Ungemacht nicht gefeit - im abgelaufenen Jahr sind etwa mehrere Solarfirmen pleite gegangen oder leiden noch immer unter teils mehr als 90-prozentigem Verlust bei den Börsennotierungen. Auch hier gilt das Prinzip Diversifikation, also Verteilung auf verschiedene Anlagen und keine einseitige Gewichtung. Gewarnt sei etwa auch vor der aktuell zur Zeichnung aufliegenden Obligation des Schweizer Solarunternehmens Edisun Power. Der hohe Zins von 4,5 % verheisst nichts Gutes.
- Zu warnen ist vor Vielem: Man / frau bedenke stets - wer Anlagevorschläge macht, verfolgt damit meist handfeste finanzielle Interessen (für einmal ist der Schreibende ausgenommen :-). Doch nicht nur die Kosten solcher vorgeschlagener Anlagen fallen ins Gewicht, sondern auch immer wieder deren Komplexität. Es verwundert, wie fünf Jahre nach der gigantischen Finanzkrise all die Derivate wieder im Schwange sind, die zum Entstehen der Krise beigetragen haben. Da gilt: Finger weg! Auf Ihre Anregung hin sollte vielleicht auch Ihre Pensionskasse auf solche Investments verzichten!
- Zins und Zinseszins haben viel an Glanz verloren: Vor der Krise ging eine Weisheit kräftig vergessen - dass hohe Zinsen ein hohes Risiko anzeigen. Unterdessen wissen wir einiges, wenn auch nicht alles besser. Die Zinsen sind mickrig - doch fallen sie langfristig ins Gewicht. Nur, langfristig heisst möglicherweise mehr als zehn Jahre!
- Und noch diese Lesetipps: Vorsorgemedia bringt stets ganz aktuelle Medienhinweise zu interessanten Artikeln betreffs Anlage und Vorsorge. Ein Archiv (siehe Vorsorgemedia-Menü) stellt den Zugriff auf alle früheren Medienhinweise sicher. Und speziell für die Vorsorge beachte man: Beobachter - Welche Absicherungen bringen etwas?!
Montag, 6. Januar 2014
Ein Finanzrucksack für 2014
Der Blog Vorsorgemedia
berichtet regelmässig über wichtige Aspekte der Finanzanlage und Vorsorge. Zu
Beginn des neuen Jahres - verbunden mit den besten Wünschen - verweist dieser weitere Blog des Solarmedia-Autors
Guntram Rehsche zusammenfassend auf aktuelle Erkenntnisse. Der Beitrag befasst sich auch mit der nachhaltigen Geldanlage und warnt vor einem spezifischen Solarinvestment. Wie im Allgemeinen vorzugehen ist, vermittelt das folgende gute Dutzend Tipps:
Energiewende: Wie die Schweiz die Kurve kriegt
Während die grosse Koalition in Deutschland bereits neue Impulse für
die Energiewende erarbeitet, ist die Schweiz noch ganz am Anfang. Sechs
Lehren, welche die Schweiz für die anstehende Revision des
Energiegesetzes ziehen sollte - von Nationalrat Bastian Girod (Grüne Partei).
1. Energiewende als Chance für die Wirtschaft
In Deutschland wechselt die Energiewende vom Umwelt- ins Wirtschaftsministerium. Das zeigt, dass die Energiewende mehr ist als ein Schutz vor nuklearen Risiken und Klimaerwärmung. Die Energiewende ist auch eine Chance für die (Export-)Wirtschaft. Saubere Energie ist nicht nur in Deutschland, sondern auch global stark gefragt und zeigt die grössten Wachstumsraten. Und wer die Werbung des BMW i3 gesehen hat, weiss: Saubere Produktion ist das Verkaufsargument der Zukunft. Mit der Energiewende verbessert sich die Swissness um das immer wertvollere Attribut «made with clean energy». Doch diese Vorteile kommen nur zum Tragen, wenn die Schweiz die Energiewende rasch und intelligent umsetzt.
2. Atomausstieg verbindlich regeln
Bereits 2002 regelte Deutschland den Automausstieg verbindlich mit den Energieversorgern. Die Regellaufzeit für AKWs wurde auf 32 Jahre festgelegt. Kanzlerin Merkel hat diese Vereinbarung erst aufgeweicht, aber dann nach Fukushima schnell wieder reaktiviert. Dadurch wird Deutschland im 2022 sein letztes AKW abstellen, während in der Schweiz ein verbindliches Ausstiegsdatum fehlt. Nicht einmal die Einhaltung der vom Ensi geforderten Sicherheitsmarge ist gewährleistet. Das führt zu enormen nuklearen und finanziellen Risiken und verzögert die Energiewende.

3. Auf Sonne und Wind setzen
Heute sind die Kosten für Wind- und Solarstrom fast gleich hoch wie jene für die konventionelle Stromerzeugung. In Deutschland machen Wind und Sonne 13 Prozent der Stromversorgung aus, bis 2020 soll dieser Anteil auf 29 Prozent und bis 2030 gar auf 48 Prozent erhöht werden. Da die Schweiz bereits mit 60 Prozent Wasserkraft startet, brauchen wir nur etwa 33 Prozent Wind und Sonne, den Rest kann Strom aus Biomasse sowie ein Ausbau der grossen Speicherkraftwerke decken. Diese Potentiale sind vorhanden, wir müssen sie nur nutzen. Leider will der Bundesrat insbesondere den Solarstrom abbremsen, statt ihn zu beschleunigen. So ist geplant, ab 2015 keine neuen Solarstromprojekte mehr mit dem wichtigsten Förderinstrument, der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV), zu fördern.
4. Eigenverbrauch von Solarstrom fördern
Eigenverbrauch bedeutet, dass der erzeugte Solarstrom direkt vor Ort genutzt wird. Weil so kein oder weniger Solarstrom ins öffentliche Netz eingespeist wird, reduzieren sich die Netzkosten deutlich. Diesen Vorteil hat Deutschland – vielleicht etwas zu spät – erkannt und gefördert. Die Schweiz hat früher reagiert. Bald können kleine Anlagen statt der KEV einen Investitionsbeitrag von 30 Prozent beziehen und sich über den reduzierten Stromeinkauf finanzieren. Diese Unterstützung ist aber bis heute auf Anlagen mit weniger als 30 kW beschränkt. Damit können grössere Analgen auf Büro- und Gewerbeflächen nicht profitieren, obwohl hier der Eigenverbrauch besonders hoch wäre. Deshalb braucht es neben einer Erhöhung des KEV-Deckels eine Erweiterung der Möglichkeit, Investitionshilfe zu beziehen.
5. Kohle und Gas verteuern
Da in Deutschland und der EU die fossile Stromerzeugung weiter stark subventioniert bleibt, wird eine Stromschwemme verursacht, die europaweit zu extrem tiefen Strompreisen führt. Darunter leidet die Schweizer Wasserkraft, welche nicht über die KEV gefördert und für ihre tiefe Umweltbelastung nicht entschädigt wird. Wenn wir zurück zu mehr Markt wollen, braucht es statt KEV-Gelder für die technologisch reife Wasserkraft eine Abgabe auf nicht erneuerbare Stromerzeugung. Eine solche Abgabe liesse sich dank dem Herkunftsnachweis für Strom und dem bestehenden Rückverteilungssystem der CO2-Abgabe einfach umsetzen.
6. Effizienz nicht vergessen
Während Deutschland mit der Förderung der Erneuerbaren viel erreicht hat, wurde die Effizienz etwas vernachlässigt. So wurden energieintensive Unternehmen bedingungslos und vollständig von der KEV-Umlage befreit. Da ist die bedingte Befreiung mit Effizienzverpflichtung, wie sie die Schweiz eingeführt hat, sinnvoller. Die Schweiz sollte diesen Vorsprung nicht aus der Hand geben und die Anreize für Energieeffizienz weiter verbessern.
Bastien Girod
ist seit 2007 Nationalrat (Grüne/ZH).
1. Energiewende als Chance für die Wirtschaft
In Deutschland wechselt die Energiewende vom Umwelt- ins Wirtschaftsministerium. Das zeigt, dass die Energiewende mehr ist als ein Schutz vor nuklearen Risiken und Klimaerwärmung. Die Energiewende ist auch eine Chance für die (Export-)Wirtschaft. Saubere Energie ist nicht nur in Deutschland, sondern auch global stark gefragt und zeigt die grössten Wachstumsraten. Und wer die Werbung des BMW i3 gesehen hat, weiss: Saubere Produktion ist das Verkaufsargument der Zukunft. Mit der Energiewende verbessert sich die Swissness um das immer wertvollere Attribut «made with clean energy». Doch diese Vorteile kommen nur zum Tragen, wenn die Schweiz die Energiewende rasch und intelligent umsetzt.
2. Atomausstieg verbindlich regeln
Bereits 2002 regelte Deutschland den Automausstieg verbindlich mit den Energieversorgern. Die Regellaufzeit für AKWs wurde auf 32 Jahre festgelegt. Kanzlerin Merkel hat diese Vereinbarung erst aufgeweicht, aber dann nach Fukushima schnell wieder reaktiviert. Dadurch wird Deutschland im 2022 sein letztes AKW abstellen, während in der Schweiz ein verbindliches Ausstiegsdatum fehlt. Nicht einmal die Einhaltung der vom Ensi geforderten Sicherheitsmarge ist gewährleistet. Das führt zu enormen nuklearen und finanziellen Risiken und verzögert die Energiewende.
Saubere Produktion ist das Verkaufsargument der Zukunft.
Zukunftstechnologie: Eine Mitarbeiterin der Firma Meyer Burger in Gwatt BE fertigt ein Solarpanel. (Bild: Keystone)
Heute sind die Kosten für Wind- und Solarstrom fast gleich hoch wie jene für die konventionelle Stromerzeugung. In Deutschland machen Wind und Sonne 13 Prozent der Stromversorgung aus, bis 2020 soll dieser Anteil auf 29 Prozent und bis 2030 gar auf 48 Prozent erhöht werden. Da die Schweiz bereits mit 60 Prozent Wasserkraft startet, brauchen wir nur etwa 33 Prozent Wind und Sonne, den Rest kann Strom aus Biomasse sowie ein Ausbau der grossen Speicherkraftwerke decken. Diese Potentiale sind vorhanden, wir müssen sie nur nutzen. Leider will der Bundesrat insbesondere den Solarstrom abbremsen, statt ihn zu beschleunigen. So ist geplant, ab 2015 keine neuen Solarstromprojekte mehr mit dem wichtigsten Förderinstrument, der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV), zu fördern.
4. Eigenverbrauch von Solarstrom fördern
Eigenverbrauch bedeutet, dass der erzeugte Solarstrom direkt vor Ort genutzt wird. Weil so kein oder weniger Solarstrom ins öffentliche Netz eingespeist wird, reduzieren sich die Netzkosten deutlich. Diesen Vorteil hat Deutschland – vielleicht etwas zu spät – erkannt und gefördert. Die Schweiz hat früher reagiert. Bald können kleine Anlagen statt der KEV einen Investitionsbeitrag von 30 Prozent beziehen und sich über den reduzierten Stromeinkauf finanzieren. Diese Unterstützung ist aber bis heute auf Anlagen mit weniger als 30 kW beschränkt. Damit können grössere Analgen auf Büro- und Gewerbeflächen nicht profitieren, obwohl hier der Eigenverbrauch besonders hoch wäre. Deshalb braucht es neben einer Erhöhung des KEV-Deckels eine Erweiterung der Möglichkeit, Investitionshilfe zu beziehen.
5. Kohle und Gas verteuern
Da in Deutschland und der EU die fossile Stromerzeugung weiter stark subventioniert bleibt, wird eine Stromschwemme verursacht, die europaweit zu extrem tiefen Strompreisen führt. Darunter leidet die Schweizer Wasserkraft, welche nicht über die KEV gefördert und für ihre tiefe Umweltbelastung nicht entschädigt wird. Wenn wir zurück zu mehr Markt wollen, braucht es statt KEV-Gelder für die technologisch reife Wasserkraft eine Abgabe auf nicht erneuerbare Stromerzeugung. Eine solche Abgabe liesse sich dank dem Herkunftsnachweis für Strom und dem bestehenden Rückverteilungssystem der CO2-Abgabe einfach umsetzen.
6. Effizienz nicht vergessen
Während Deutschland mit der Förderung der Erneuerbaren viel erreicht hat, wurde die Effizienz etwas vernachlässigt. So wurden energieintensive Unternehmen bedingungslos und vollständig von der KEV-Umlage befreit. Da ist die bedingte Befreiung mit Effizienzverpflichtung, wie sie die Schweiz eingeführt hat, sinnvoller. Die Schweiz sollte diesen Vorsprung nicht aus der Hand geben und die Anreize für Energieeffizienz weiter verbessern.
Bastien Girod est conseiller national (Verts/ZH).
Montag, 16. Dezember 2013
Für und Wider Windkraft in den Bergen
Es ist ein Projekt der Superlative: In der Surselva, auf dem
Gemeindegebiet von Lugnez und Obersaxen, soll der grösste Windpark der
Schweiz entstehen. Mit Standorten zwischen 2000 und 2500 Metern über
Meer wird er zu den höchstgelegenen in Europa gehören. Auch der erhoffte
Stromertrag sprengt alle Rekorde: Maximal 40 Windanlagen sollen bis zu
170 Gigawattstunden Strom pro Jahr liefern – mehr als eineinhalbmal so
viel, wie aktuell die 34 grösseren Windturbinen im Land zusammen
produzieren. Diese Menge würde für die Versorgung von 28'000 Haushalten
reichen. Hinter dem Projekt stehen das auf Windkraft spezialisierte
Unternehmen Altaventa und das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ),
das heute schon einen Teil Graubündens mit Strom versorgt.
Schub erhält das Projekt nun möglicherweise dank des Bundes. Ab 1. Januar 2014 kommen Windanlagen in den Bergen in den Genuss eines Höhenbonus. Heute wird jede Kilowattstunde Windstrom mit 21,5 Rappen subventioniert, einerlei, wo die Anlage steht. In Zukunft erhalten neue Anlagen auf 1700 Metern und höher maximal 2,5 Rappen mehr. Festgesetzt hat diesen Bonus der Bundesrat, als er unlängst neue Regeln für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) für erneuerbare Energien festgeschrieben hat. Vom ersten bis dritten Quartal dieses Jahres betrug die ausbezahlte KEV-Gesamtvergütung knapp 220 Millionen Franken, an Windkraftanlagen gingen davon 6,5 Millionen. Der Löwenanteil kam Solarprojekten zugute. Berappen müssen die Subventionen die Stromkonsumenten.
Mit dem Höhenbonus will der Bundesrat den speziellen Bedingungen im alpinen Gelände Rechnung tragen. Weil die Luft in der Höhe dünner und der Wind turbulenter ist, kann eine Anlage nicht so viel Strom produzieren wie im Flachland. Fachleute sprechen von Ertragseinbussen bis zu 25 Prozent. Zudem kostet es in diesen Höhen wegen Vereisung und der schlechten Zugänglichkeit mehr Geld, eine Anlage zu warten. Der Höhenbonus soll gemäss Bundesrat einen Anreiz bieten, Anlagen an alpinen Standorten mit «besten Windverhältnissen» zu erstellen.
EWZ-Sprecher Harry Graf spricht von einem «willkommenen Beitrag», der die Realisierungschancen des Projekts erhöhe. Er betont jedoch, der Höhenbonus allein genüge dafür nicht. Er werde jedoch zum «zusätzlichen Entscheidungselement», sofern die Wirtschaftlichkeit des Projekts nicht ganz gegeben sei. Graf dementiert Gerüchte, wonach das EWZ beim Bundesrat für den Höhenbonus lobbyiert habe.
Scharfe Kritik am Höhenbonus äussert die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL). Es handle sich um einen schädlichen Subventionsanreiz, der dazu verleite, die letzten Naturräume zu verschandeln. Die SL erinnert den Bundesrat daran, dass die Schweiz die Alpenkonvention unterzeichnet habe und damit die Alpen in ihrer Ursprünglichkeit schützen müsse. Geschäftsleiter Raimund Rodewald verweist zudem auf Österreich und Südtirol, die ganz darauf verzichten würden, Windpärke auf ihren Bergen zu erstellen.
Widerstand hat sich auch vor Ort formiert. Die Gegner des Windparks haben sich in der Interessengemeinschaft Sezner - Um Su - Grenerberg zusammengeschlossen. «Die Schweiz ist kein Windland», sagt IG-Mitglied Martin Jäger und verweist auf besser geeignete Lokalitäten am und im Meer. Nachhaltig am Surselva-Projekt sei einzig die Zerstörung der Landschaft. Die Eingriffe in die hochsensible alpine Fauna und Flora stünden in keinem Verhältnis zum Energiegewinn. Dies umso weniger, als ein kantonales Landschaftsschutzgebiet vom Projekt tangiert werde. «Es entsteht ein Industriegebiet mit 40 Türmen von je 140 Meter Höhe oder noch höher», sagt Jäger. Diese «Verschandelung» torpediert nach Ansicht der Gegner auch die jahrzehntelangen Bemühungen der Gemeinden Lumnezia und Obersaxen, den sanften Tourismus zu fördern.
Doch das Projekt hat auch Befürworter. Sie erhoffen sich Aufwind für eine Region, die unter Abwanderung leidet – etwa dank neuen Arbeitsplätzen und Pachtzinsen in der Höhe von Hunderttausenden von Franken. Die ökonomischen Chancen streichen auch Altaventa und das EWZ hervor. Um die Akzeptanz für das Projekt zu erhöhen, haben sie früh einen runden Tisch mit den involvierten Gemeinden, Politikern, Umweltverbänden und Alpgenossenschaften ins Leben gerufen. Die Bündner Sektionen von Pro Natura und WWF können sich einen Windpark an dieser Lage vorstellen – allerdings nur unter der Bedingung, dass er möglichst nah beim Skigebiet gebaut wird. So beeinträchtige er kaum das kantonale Landschaftsschutzgebiet und tangiere das angrenzende nationale Schutzgebiet nicht.
Trotz der bisherigen Messresultate bezeichnen das EWZ und Altaventa den Standort als vielversprechend. Die Distanz zu bewohnten Gebieten sei gross, somit seien die Anlagen auch bei hohen Windgeschwindigkeiten nicht hörbar. Auch sei das Gebiet gut erschliessbar. Es führe bereits eine lastwagentaugliche Strasse bis auf 2100 Meter, weshalb Ausbauten nur punktuell erfolgen müssten. Dem widersprechen die Gegner: Für Zufahrtsstrassen und Bauplätze würden viele Hektaren Kultur- und Weideland geopfert, sagt Martin Jäger und warnt vor «öden Industriebrachen, die jahrzehntelang weithin sichtbar bleiben».
Vorbehalte hat auch der Schweizerische Alpen-Club (SAC), der Windanlagen oberhalb von 1400 Metern in unverbauten oder unerschlossenen Gebieten ablehnt. Die SAC-Sektion Piz Terri hat Widerstand angekündigt für den Fall, dass eine Anlage auf dem Um Su (2357 m) gebaut wird. Auch verlangt sie weiterhin freie Sicht vom beliebten Skitourengipfel – auf ihren Hausberg Piz Terri (3149 m).
Die Reaktionen der Zürcher Politiker www.windpark.tagesanzeiger.ch
Quelle: Tages-Anzeiger 16.12.13
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Montag, 9. Dezember 2013
Körper heilt Seele
Neurowissenschaftler
entdecken das Meditieren als Mittel gegen Stress, Angststörungen und
Depressionen. Sich mit dem Geist zu befassen, führt gemäss ausführlichen Studien zu erstaunlichen (und positiven)
Veränderungen im Gehirn.
Es war in diesen Tagen, als Hedwig Müller den Aushang im Supermarkt sah. Darin wurden Menschen mit Antriebsstörungen und depressiven Verstimmungen gesucht, die statt Pillen ein ungewöhnliches Mittel ausprobieren sollten: Meditation. "Ich war überrascht, dass die Meditation helfen soll", sagt Müller. Zu Beginn der Studie ließ sie ihr Gehirn per Elektroenzephalograf und Kernspin von Psychologen der Freien Universität und der Charité Berlin untersuchen, dann übte sie die sogenannte Achtsamkeitsmeditation. Unterstützt durch Audio-CD und Handbuch meditiert sie jeden Tag. Sie bemüht sich, das Hier und Jetzt ganz bewusst zu erfassen - so auch beim Zähneputzen.
Was sie beim Meditieren empfindet, das soll sie nicht bewerten, sondern offen und neugierig betrachten. Die ungewohnte Arbeit mit dem Geist mache Spaß, erzählt Müller. Ob sie ihr medizinisch hilft, das wird sie nach Abschluss der Studie wissen. Doch die Chancen stehen gut. Das geht aus einer Meditationsstudie mit 22 depressiven Frauen und Männern in Tübingen hervor. Zu den Probanden gehörte Thomas Schröder(*). Der schwäbische Familienvater, Mitte vierzig, hatte zuvor drei Krankheitsphasen erlebt, die so schwer waren, dass er wochenlang nicht aus dem Haus ging.
Schröder und die anderen Probanden lernten acht Wochen lang sanfte Yoga-Übungen sowie die Achtsamkeitsmeditation. Anfangs hatte Schröder, ein promovierter Arzt, seine Zweifel: Er fühlte sich der reinen Schulmedizin verpflichtet. Mit Meditation hatte er sich nie beschäftigt. Nun saß er im Lotossitz und dachte: Was mache ich hier? Doch je länger er die Arbeit mit dem Geist betrieb, desto besser gefiel sie ihm. Der Mediziner ist wieder in seinem alten Job tätig, als Produktmanager einer Firma für Krankenhausbedarf.
Er braucht keine Medikamente mehr - er meditiert jeden Tag. Was ihm da widerfahren ist, das hat Schröder im Fachblatt "Psychiatry Research" nachgelesen, in dem die Studie veröffentlicht wurde: Die Meditation hat die Biologie seines Gehirns verändert. Die federführenden Psychologen Vladimir Bostanov und Philipp Keune haben das entdeckt, indem sie das Gehirn der Probanden vor und nach dem Meditationskurs neurophysiologisch untersuchten. Sie spielten ihnen bestimmte Töne vor und maßen die elektrische Aktivität der Hirnzellen. Das Ergebnis: Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe reagierte das Gehirn nach dem achtwöchigen Meditationskurs deutlich stärker auf die akustischen Reize. Es hatte gelernt, nicht mehr andauernd zu grübeln - und brachte die frei gewordenen Ressourcen den Tönen entgegen.
Die Messkurven des Elektroenzephalogramms passen wunderbar zu den Erfahrungen Schröders und der anderen Studienteilnehmer. Viele von ihnen können endlich wieder klar denken. "Das Meditieren hilft den Patienten, ihre Aufmerksamkeit zu steuern", sagt Keune. "Dadurch verlieren sie sich weniger häufig in negativen Gedanken." Wie Keune erforscht auch die junge Psychologin Bethany Kok die heilende Kraft des Geistes. Die US-Amerikanerin untersucht den sogenannten Vagusnerv. Der läuft vom Hirnstamm den Hals entlang durch die Brusthöhle bis zu den Eingeweiden und endet in vielen Verästelungen (sein Vagabundieren hat ihm den Namen "Vagus" eingebracht). Er versorgt die äußeren Gehörgänge, den Schlund, den Kehlkopf, die Lunge, den Magen, den Darm und das Herz.
Beim Einatmen schlägt das Herz oftmals etwas schneller als beim Ausatmen. Dieser Unterschied ergibt den Spannungszustand des Vagusnervs. Ein hoher Tonus bürge für eine geregelte Verdauung, sagt Bethany Kok, und helfe beim Orgasmus. Auch sei er unverzichtbar für soziale Kontakte. Der Blick in die Augen, das einfühlsame Lächeln und das zustimmende Nicken - all das laufe ebenfalls über den Vagusnerv. Wäre es nicht großartig zu erfahren, wie man den Tonus dieses Tausendsassas erhöhen kann? Zusammen mit Kollegen der University of North Carolina in Chapel Hill unternahm Kok ein Experiment: Neun Wochen lang notierten 65 Frauen und Männer jeden Abend auf einem Fragebogen die guten und die schlechten Gefühle und Erlebnisse des Tages. Zusätzlich absolvierte die Hälfte von ihnen einen Meditationskurs, der Gefühle wie Liebe, Wohlwollen und Mitgefühl förderte. Das Ergebnis hat die Gruppe um Kok im Fachblatt "Psychological Science" präsentiert: Im Unterschied zur Kontrollgruppe ist der Vagotonus der Meditierenden deutlich gestiegen. "Wer sich mit guten Gefühlen versorgt, der verbessert den Tonus des Nervus vagus", sagt Kok, die mittlerweile ans Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig gewechselt ist. "Das wiederum ist mit guter Gesundheit verbunden - und könnte zu einem längeren Leben führen." Es sei der Geist, der sich den Körper baue, schrieb Friedrich Schiller einst in seinem Drama "Wallenstein". Zug um Zug erkennt die Meditationsforschung, wie richtig der Dichter - und examinierte Arzt - damit lag: Die Seele kann den Leib verändern.
Die Erkenntnis befreit die Meditation vom Ruch des Esoterischen. Ihre Erfolge sind verbunden mit messbaren Veränderungen im Gehirn. An vielen Universitätskliniken machen Psychologen und Ärzte sich daran, aus dem Buddhismus und dem Hinduismus stammende Meditationstechniken mit der modernen Medizin zu vereinen. Mönche und Yogis zeigen, wie man auf dem Weg ins Nirwana zugleich auch Erkrankungen behandeln kann.
Niemand behauptet, man könne Krankheiten gleichsam wegdenken. Jedoch hat das Meditieren einen Einfluss auf die Gesundheit, den Ärzte und Psychologen bisher viel zu selten nutzten.
Nun aber wächst die Zahl der Veröffentlichungen zum medizinischen Meditieren exponentiell. "Das Feld plätscherte lange Zeit dahin. Doch jetzt verhelfen ihm die Neurowissenschaften zu einem Boom", sagt Ulrich Ott vom Bender Institute of Neuroimaging der Universität Gießen. Ob Yoga, Tai-Chi, Qigong oder Achtsamkeit - das Meditieren sei nicht mehr auf religiöse Kontexte beschränkt: "Es wird in Kliniken zur Behandlung von Patienten eingesetzt, denen es um eine Besserung ihrer Symptome geht und nicht um spirituelle Erleuchtung."
In seinem Buch "Meditation für Skeptiker" erklärt Ott den Weg zum Selbst: Meditieren diene dazu, "das Bewusstsein zu erweitern und sich von eingefahrenen Denkmustern und Verhaltensweisen zu lösen". Jeder könne lernen, das innere Befinden "in Richtung Ruhe und Gelassenheit zu verändern". Und das wirkt besser als manche Medizin: Am Massachusetts General Hospital im amerikanischen Boston setzten 15 Frauen und Männer ihren Geist wie eine Arznei ein. Sie waren anfangs verspannt, schlafgestört und geplagt von Sorgen. Generalisierte Angststörung lautete ihre Diagnose. Acht Wochen lang nahmen sie an einem Kurs zur Achtsamkeitsmeditation teil. Und der tat ihnen gut: Sie konnten ihre Ängste besser beherrschen und fanden wieder mehr Schlaf.
Das Gehirn war auf wohltuende Weise verwandelt, wie die Untersuchung im funktionellen Kernspin offenbarte: Nach dem Meditieren waren Teile der vorderen Hirnrinde (präfrontaler Kortex) verstärkt durchblutet - also genau jene Areale, die für das Regulieren von Gefühlen wichtig sind. Überdies erschien die Verbindung zwischen präfrontalem Kortex und dem Angstzentrum des Gehirns, der Amygdala, stärker ausgeprägt als bei Vergleichspatienten, die nicht meditiert hatten.
Von der Achtsamkeit bis zum Zen reichen die Schulen der Meditation. Jeder solle die Technik wählen, die ihm am besten gefalle, rät der Gießener Psychologe Ott. "Bei manchen meditativen Verfahren wie dem Tai-Chi, Qigong, Drehtanz der Sufis, einigen Varianten des Yoga, der Gehmeditation des Zen und der dynamischen Meditation nach Osho stellen Bewegungen des Körpers einen zentralen Aspekt der Methode dar", sagt er. Die stillen Methoden dagegen legten Wert auf das Verharren im Sitzen oder in einer anderen Körperhaltung.
Noch ist nicht erforscht, welche Art der Meditation am besten taugt, aber Ärzte und Psychologen verschreiben häufig die sogenannte Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR), das ist jenes Acht-Wochen-Programm, das Thomas Schröder in Tübingen so gutgetan hat. Dass MBSR in der westlichen Medizin so beliebt geworden ist, liegt an Jon Kabat-Zinn, Jahrgang 1944. Der mittlerweile emeritierte Professor der University of Massachusetts Medical School in Worcester verband Elemente aus dem Buddhismus mit der westlichen Naturwissenschaft, um kranken Menschen zu helfen. Heute ist MBSR in vielen Kliniken verbreitet und hat sich gegen Stress, Depression, Angststörungen und Schmerzen bewährt.
Sprechstunde: Diese Techniken helfen bei Stress am besten
Sprechstunde: Raus aus der Depression
Quelle: Auszug aus Artikel Spiegel 9.12.13
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Sonntag, 1. Dezember 2013
Bitcoin oder die Sache mit dem Geld
Weil Bitcoin immer populärer wird, überlegen sich immer mehr Regierungen
weltweit, wie sie mit der künstlichen Währung umgehen sollen. Auch die
Schweiz diskutiert darüber.
«Es ist wie bei der Luftgitarre», sagt Jon Matonis. «Sie existiert nur, weil alle Beteiligten daran glauben.» Matonis ist Geschäftsführer der Bitcoin-Stiftung und damit Cheflobbyist einer Währung, die – wie die Luftgitarre – physisch nicht existiert. Und dennoch sind im Moment jeden Tag Zehntausende von Menschen bereit, über 1000 real existierender Dollars gegen eine Einheit der Luftgitarren-Währung zu tauschen.
Für Aussenstehende ist das Phänomen schwer verständlich. Es gibt Börsen, an denen reales Geld in Bitcoins getauscht werden kann und mindestens einen Bancomaten, der Bargeld gegen elektronisches Bitcoin-Guthaben wechselt. Es gibt Online-Shops, die Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren und in gewissen Gegenden – Berlin Kreuzberg etwa – auch mehrere Geschäfte, in denen man mit Bitcoins bezahlen kann.
Kaum Gebühren, aber volatil
Das virtuelle Geld muss einfach via Smartphone-App von einem elektronischen Portemonnaie ins andere verschoben werden. Theoretisch wäre das sogar attraktiv: Verglichen mit Kreditkartenzahlungen fallen kaum Gebühren an. Allerdings schwankt der Wert einer Bitcoin im Moment so stark – an gewissen Tagen um mehrere 100 Dollar innert weniger Stunden –, dass das Bezahlen eines Kaffees zum spekulativen Akt verkommt.
Bitcoin wurde 2008 von einem anonymen Programmierer entwickelt, basierend auf einer politischen Ideologie: Die Währung sollte ohne Einmischung eines Einzelnen – oder eines Staates - existieren. Sie sollte günstig und ohne Mittelsmann austauschbar sein, auch wenn sich die Beteiligten weder kennen noch vertrauen. Und sie sollte die finanzielle Privatsphäre garantieren: Wer wie viel davon besitzt und wofür er es ausgibt, sollte niemanden etwas angehen. Es sollte eine Währung sein, die ähnlich funktioniert wie Gold.
Der Zufall hat die Hand im Spiel
Statt von einer Zentralbank wird das System darum von einem dezentralen Netz aus den Computern von Freiwilligen betrieben – einer modernen Spezies der Goldgräber. Diese beteiligen sich an einer Art Lotterie: Im Wettlauf mit anderen sollen ihre spezialisierten Computer möglichst schnell ein mathematisches Rätsel lösen. Je schneller der Computer, desto grösser die Chance, die Lösung als Erster zu finden. Trotzdem entscheidet am Ende der Zufall. Der Gewinner erhält den fiktiven Rohstoff – neue Bitcoins.
Mittlerweile grassiert ein wahrer Bitcoin-Rausch: Die Computer, deren einziger Zweck es ist, Bitcoins zu schürfen und das System zu unterhalten, besitzen bereits über hundertmal so viel Rechenleistung wie die 500 schnellsten Supercomputer der Welt. Sie verbrauchen dabei rund 110'000 Megawattstunden Strom pro Tag – so viel wie 24'500 Schweizer Haushalte in einem Jahr. Als Nebenprodukt dieses Wettlaufs bewirtschaften die Computer ein öffentliches Register, in dem jede Transaktion gespeichert ist, die jemals mit Bitcoins gemacht wurde. Anhand des Registers überprüfen immer mehrere Rechner gleichzeitig eine Überweisung auf ihre Legitimität. «Das macht das System so sicher», sagt Bitcoin-Experte Matonis.
Die steigende Popularität von Bitcoin hat Regierungen auf der ganzen Welt aufgeschreckt. Nicht nur die USA und China beschäftigen sich damit, ob und wie sie mit Bitcoin umgehen wollen. Auch in der Schweiz wird der Nationalrat demnächst beraten, ob er den Bundesrat mit einer Risikoanalyse beauftragen soll.
Gleichzeitig warnen Ökonomen vor einer Blase gigantischen Ausmasses: Zwar basiert das Bitcoin-Programm auf einer Geldtheorie und auf ökonomischen Kriterien. Zum Beispiel ist die Geldmenge nach oben beschränkt: Bis ins Jahr 2140 werden maximal 21 Millionen Bitcoins ausgegeben. Dadurch steigt der Wert einer Einheit automatisch, je mehr Menschen sich dafür interessieren. Zwar macht das Bitcoin attraktiv in Ländern, in denen Inflation herrscht und der Kapitalverkehr beschränkt ist – wie etwa in China. Für viele Ökonomen führt aber gerade das unvermeidlich zum Kollaps. Denn wenn der Wert von Bitcoins stetig steigt, wer will sie dann noch ausgeben? Und wenn niemand mehr etwas damit kauft, funktioniert die Bitcoin-Wirtschaft nicht mehr.
Plattform für Überweisungen
Trotz aller Kritik und Absurditäten gibt es eine Diskussion darüber, was für einen Platz virtuelle Währungen in der realen Welt einnehmen könnten. Das Bitcoin-System wurde bereits Dutzende Male kopiert, das Portal Coinmarketcap.com listet 36 ähnliche virtuelle Währungen auf. Keine davon ist im Moment auch nur annähernd so gross. Alle versuchen, die Schwächen von Bitcoin auszumerzen – und sei es nur der Stromverbrauch.
Interessant ist ein Dienst namens Ripple, der zwar auch eine gleichnamige Währung kennt, sich aber auf seine Funktion als Überweisungsplattform fokussiert. Genau dort sehen viele Experten den wahren Wert einer virtuellen Währung: In der Möglichkeit, günstig und barrierefrei Geld in die ganze Welt zu verschicken. Nicht zuletzt, weil es bereits einen Markt gibt: 2013 werden Emigranten laut Weltbank 550 Milliarden Dollar an ihre Familien schicken.
Quelle: Tages-Anzeiger 2.12.13
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«Es ist wie bei der Luftgitarre», sagt Jon Matonis. «Sie existiert nur, weil alle Beteiligten daran glauben.» Matonis ist Geschäftsführer der Bitcoin-Stiftung und damit Cheflobbyist einer Währung, die – wie die Luftgitarre – physisch nicht existiert. Und dennoch sind im Moment jeden Tag Zehntausende von Menschen bereit, über 1000 real existierender Dollars gegen eine Einheit der Luftgitarren-Währung zu tauschen.
Für Aussenstehende ist das Phänomen schwer verständlich. Es gibt Börsen, an denen reales Geld in Bitcoins getauscht werden kann und mindestens einen Bancomaten, der Bargeld gegen elektronisches Bitcoin-Guthaben wechselt. Es gibt Online-Shops, die Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren und in gewissen Gegenden – Berlin Kreuzberg etwa – auch mehrere Geschäfte, in denen man mit Bitcoins bezahlen kann.
Kaum Gebühren, aber volatil
Das virtuelle Geld muss einfach via Smartphone-App von einem elektronischen Portemonnaie ins andere verschoben werden. Theoretisch wäre das sogar attraktiv: Verglichen mit Kreditkartenzahlungen fallen kaum Gebühren an. Allerdings schwankt der Wert einer Bitcoin im Moment so stark – an gewissen Tagen um mehrere 100 Dollar innert weniger Stunden –, dass das Bezahlen eines Kaffees zum spekulativen Akt verkommt.
Bitcoin wurde 2008 von einem anonymen Programmierer entwickelt, basierend auf einer politischen Ideologie: Die Währung sollte ohne Einmischung eines Einzelnen – oder eines Staates - existieren. Sie sollte günstig und ohne Mittelsmann austauschbar sein, auch wenn sich die Beteiligten weder kennen noch vertrauen. Und sie sollte die finanzielle Privatsphäre garantieren: Wer wie viel davon besitzt und wofür er es ausgibt, sollte niemanden etwas angehen. Es sollte eine Währung sein, die ähnlich funktioniert wie Gold.
Der Zufall hat die Hand im Spiel
Statt von einer Zentralbank wird das System darum von einem dezentralen Netz aus den Computern von Freiwilligen betrieben – einer modernen Spezies der Goldgräber. Diese beteiligen sich an einer Art Lotterie: Im Wettlauf mit anderen sollen ihre spezialisierten Computer möglichst schnell ein mathematisches Rätsel lösen. Je schneller der Computer, desto grösser die Chance, die Lösung als Erster zu finden. Trotzdem entscheidet am Ende der Zufall. Der Gewinner erhält den fiktiven Rohstoff – neue Bitcoins.
Mittlerweile grassiert ein wahrer Bitcoin-Rausch: Die Computer, deren einziger Zweck es ist, Bitcoins zu schürfen und das System zu unterhalten, besitzen bereits über hundertmal so viel Rechenleistung wie die 500 schnellsten Supercomputer der Welt. Sie verbrauchen dabei rund 110'000 Megawattstunden Strom pro Tag – so viel wie 24'500 Schweizer Haushalte in einem Jahr. Als Nebenprodukt dieses Wettlaufs bewirtschaften die Computer ein öffentliches Register, in dem jede Transaktion gespeichert ist, die jemals mit Bitcoins gemacht wurde. Anhand des Registers überprüfen immer mehrere Rechner gleichzeitig eine Überweisung auf ihre Legitimität. «Das macht das System so sicher», sagt Bitcoin-Experte Matonis.
Die steigende Popularität von Bitcoin hat Regierungen auf der ganzen Welt aufgeschreckt. Nicht nur die USA und China beschäftigen sich damit, ob und wie sie mit Bitcoin umgehen wollen. Auch in der Schweiz wird der Nationalrat demnächst beraten, ob er den Bundesrat mit einer Risikoanalyse beauftragen soll.
Gleichzeitig warnen Ökonomen vor einer Blase gigantischen Ausmasses: Zwar basiert das Bitcoin-Programm auf einer Geldtheorie und auf ökonomischen Kriterien. Zum Beispiel ist die Geldmenge nach oben beschränkt: Bis ins Jahr 2140 werden maximal 21 Millionen Bitcoins ausgegeben. Dadurch steigt der Wert einer Einheit automatisch, je mehr Menschen sich dafür interessieren. Zwar macht das Bitcoin attraktiv in Ländern, in denen Inflation herrscht und der Kapitalverkehr beschränkt ist – wie etwa in China. Für viele Ökonomen führt aber gerade das unvermeidlich zum Kollaps. Denn wenn der Wert von Bitcoins stetig steigt, wer will sie dann noch ausgeben? Und wenn niemand mehr etwas damit kauft, funktioniert die Bitcoin-Wirtschaft nicht mehr.
Plattform für Überweisungen
Trotz aller Kritik und Absurditäten gibt es eine Diskussion darüber, was für einen Platz virtuelle Währungen in der realen Welt einnehmen könnten. Das Bitcoin-System wurde bereits Dutzende Male kopiert, das Portal Coinmarketcap.com listet 36 ähnliche virtuelle Währungen auf. Keine davon ist im Moment auch nur annähernd so gross. Alle versuchen, die Schwächen von Bitcoin auszumerzen – und sei es nur der Stromverbrauch.
Interessant ist ein Dienst namens Ripple, der zwar auch eine gleichnamige Währung kennt, sich aber auf seine Funktion als Überweisungsplattform fokussiert. Genau dort sehen viele Experten den wahren Wert einer virtuellen Währung: In der Möglichkeit, günstig und barrierefrei Geld in die ganze Welt zu verschicken. Nicht zuletzt, weil es bereits einen Markt gibt: 2013 werden Emigranten laut Weltbank 550 Milliarden Dollar an ihre Familien schicken.
Quelle: Tages-Anzeiger 2.12.13
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Montag, 25. November 2013
Dank verletztem Urheberrecht Mio.
Der Fotograf Daniel Morel veröffentlichte Bilder auf Twitter,
eine Agentur griff ungefragt zu und muss deshalb nun viel Geld zahlen.
Morel klagte auf 120 Millionen Dollar Schadensersatz. Eine Jury hat
jetzt entschieden, wie viel er tatsächlich bekommen soll.
Der US-Fotojournalist Daniel Morel hat 2010 spektakuläre Bilder von dem schweren Erdbeben auf Haiti gemacht und auf Twitter veröffentlicht. Die französische Presseagentur AFP griff zu und verwertete die Bilder ohne seine Zustimmung weiter. Morel forderte eine Entschädigung, die AFP setzte auf eine richterliche Klärung. Morel verlangte 120 Millionen Dollar Entschädigung von der AFP und bekam im Januar dieses Jahres Recht: AFP und die Bilderagentur Getty Images verstießen bei der Weiterverbreitung seiner Bilder gegen das amerikanische Urheberrecht.
Jetzt hat ein US-Bundesgericht die Höhe der Entschädigung festgelegt: AFP und Getty Images müssen dem Fotografen 1,2 Millionen Dollar zahlen. Das ist die höchste Strafzahlung, die das US-Recht in einem solchen Fall vorsieht. Der Fall dürfte den kommerziellen Umgang mit "im Internet gefundenen" Bildern beeinflussen.
AFP verkauft die Fotos an Getty und andere Portale
Morel lud noch am Morgen des Erdbebens 17 Fotos bei Twitter hoch, wie das "British Journal of Photography" berichtet. Von einem anderen Twitter-Mitglied wurden sie weiterverbreitet, ohne dass der Name des Urhebers klar ersichtlich war. Auf dessen Profil wiederum entdeckte ein Bildredakteur der Presseagentur AFP die Bilder und verbreitete sie über die Fotoportale Wapix, Getty Images und ImageForum - zunächst mit einer falschen Urheberangabe, die aber später korrigiert wurde.
An den folgenden Tagen präsentierten zahlreiche große Medien Daniel Morels Bilder des Unglücks, unter anderem ABC, CBS und CNN. Allein Getty soll Morels Bilder 820 mal verkauft haben, ohne dass der Fotograf etwas davon hatte. Von anderen Medien bekam Morel bereits Entschädigungszahlungen. Mit ABC, CBS und CNN hat er sich außergerichtlich geeinigt. Wie viel Geld Morel dabei erhalten hat, wurde nicht öffentlich gemacht. Die AFP bezeichnete die unrechtmäßige Veröffentlichung als "unschuldigen Fehler" und schob die Schuld auf das Twitter-Mitglied, welches zunächst die Fotos weiterverbreitete.
Retweets erlaubt, Weiterverkauf nicht
Der Fotodienst Getty Images betont dagegen, nur eine passive Rolle bei der Verbreitung gespielt zu haben, da man die Bilder über einen automatischen Feed von AFP erhalten habe. Für zusätzliche Brisanz sorgt die Tatsache, dass Morel einen Vertrag mit der konkurrierenden Agentur Corbis hat. Der Fall ist wichtig, weil er die Verwendung von Bildern auf Twitter klarstellt: Nach Ansicht des Gerichts erlaubt Twitter zwar die ungefragte Weiterverbreitung von Bildern innerhalb des Kurznachrichten-Netzwerkes, aber eben nicht deren kommerzielle Verwertung. Das Urteil stärkt Rechte von UrheberInnenn, die über Twitter Werke verbreiten.
Quelle: Spiegel 25.11.13
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Der US-Fotojournalist Daniel Morel hat 2010 spektakuläre Bilder von dem schweren Erdbeben auf Haiti gemacht und auf Twitter veröffentlicht. Die französische Presseagentur AFP griff zu und verwertete die Bilder ohne seine Zustimmung weiter. Morel forderte eine Entschädigung, die AFP setzte auf eine richterliche Klärung. Morel verlangte 120 Millionen Dollar Entschädigung von der AFP und bekam im Januar dieses Jahres Recht: AFP und die Bilderagentur Getty Images verstießen bei der Weiterverbreitung seiner Bilder gegen das amerikanische Urheberrecht.
Jetzt hat ein US-Bundesgericht die Höhe der Entschädigung festgelegt: AFP und Getty Images müssen dem Fotografen 1,2 Millionen Dollar zahlen. Das ist die höchste Strafzahlung, die das US-Recht in einem solchen Fall vorsieht. Der Fall dürfte den kommerziellen Umgang mit "im Internet gefundenen" Bildern beeinflussen.
AFP verkauft die Fotos an Getty und andere Portale
Morel lud noch am Morgen des Erdbebens 17 Fotos bei Twitter hoch, wie das "British Journal of Photography" berichtet. Von einem anderen Twitter-Mitglied wurden sie weiterverbreitet, ohne dass der Name des Urhebers klar ersichtlich war. Auf dessen Profil wiederum entdeckte ein Bildredakteur der Presseagentur AFP die Bilder und verbreitete sie über die Fotoportale Wapix, Getty Images und ImageForum - zunächst mit einer falschen Urheberangabe, die aber später korrigiert wurde.
An den folgenden Tagen präsentierten zahlreiche große Medien Daniel Morels Bilder des Unglücks, unter anderem ABC, CBS und CNN. Allein Getty soll Morels Bilder 820 mal verkauft haben, ohne dass der Fotograf etwas davon hatte. Von anderen Medien bekam Morel bereits Entschädigungszahlungen. Mit ABC, CBS und CNN hat er sich außergerichtlich geeinigt. Wie viel Geld Morel dabei erhalten hat, wurde nicht öffentlich gemacht. Die AFP bezeichnete die unrechtmäßige Veröffentlichung als "unschuldigen Fehler" und schob die Schuld auf das Twitter-Mitglied, welches zunächst die Fotos weiterverbreitete.
Der Fotodienst Getty Images betont dagegen, nur eine passive Rolle bei der Verbreitung gespielt zu haben, da man die Bilder über einen automatischen Feed von AFP erhalten habe. Für zusätzliche Brisanz sorgt die Tatsache, dass Morel einen Vertrag mit der konkurrierenden Agentur Corbis hat. Der Fall ist wichtig, weil er die Verwendung von Bildern auf Twitter klarstellt: Nach Ansicht des Gerichts erlaubt Twitter zwar die ungefragte Weiterverbreitung von Bildern innerhalb des Kurznachrichten-Netzwerkes, aber eben nicht deren kommerzielle Verwertung. Das Urteil stärkt Rechte von UrheberInnenn, die über Twitter Werke verbreiten.
Quelle: Spiegel 25.11.13
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Grünes Licht für Gemeindefusion
Die Zürcher Oberländer Gemeinden Bauma und Sternenberg werden am 1. Januar 2015
zusammengeschlossen. Die Stimmberechtigten sagten deutlich Ja zum
Fusionsvertrag.
Bauma hiess den Zusammenschluss mit 1018 zu 718 Stimmen gut, in
Sternenberg (siehe Bild) votierten 144 Stimmende für und 53 gegen die Fusion. Die
Stimmbeteiligung lag in Bauma bei 60,65 Prozent, in Sternenberg bei 75,3
Prozent. Das kleine Sternenberg büsst beim Zusammenschluss Namen
und Ortswappen ein. Dafür wird seine finanzielle Situation entschärft.
So müssen die Sternenberger künftig weniger Steuern zahlen: Ab
In-Kraft-Treten der Fusion gelten die 117 Prozent von Bauma. Bisher hat
Sternenberg einen Steuerfuss von 124 Prozent.
Neue Gemeinde Bauma
Die neue Gemeinde heisst Bauma und trägt auch das Ortswappen des heutigen Bauma. Vereine und Privatpersonen dürfen gemäss Vertrag aber weiterhin das Sternenberger Wappen benutzen. Die gemeinsame Gemeindeverwaltung hat ihren Sitz in Bauma, aber auch Sternenberger können Behörden-Mitglieder sein. Nach wie vor beide Vertragsgemeinden verfügen über einen Friedhof, und auch eine Abfallsammelstelle wird in Sternenberg weiter betrieben - diese beiden Punkte waren besondere Anliegen der Bevölkerung.
3,5 Millionen Franken vom Kanton
Der Kanton unterstützt die Fusion mit 3,5 Millionen Franken. Vom Zusammenschluss betroffen sind die politische und die Schulgemeinde, die Kirchgemeinden sind vorderhand nicht einbezogen. Die Arbeiten im Hinblick auf den Zusammenschluss beginnen im kommenden Jahr. Sternenberg ist die höchstgelegene Gemeinde im Kanton Zürich. Sie liegt auf rund 900 Meter über Meer und zählt rund 330 Einwohnerinnen und Einwohner. In Bauma leben rund 4200 Einwohnerinnen und Einwohner.Das künftige gemeinsame Gemeindehaus in Bauma soll allerdings nicht saniert werden. Die Baumer Stimmberechtigten verwarfen den dafür nötigen Kredit mit 996 Nein zu 744 Ja.
Fusionen im Kanton Zürich äusserst selten
Fusionen unter den heute 171 Gemeinden im Kanton Zürich sind eine absolute Rarität. Seit den letzten Eingemeindungen in die Stadt Zürich 1930-er Jahren schlossen sich erst zwei Gemeinden zusammen: Wiesendangen und Bertschikon. Nun folgen Bauma und Sternenberg. Und auch das kleine Kyburg hat sich entschlossen, sich an einen grösseren Partner anzulehnen: Am Sonntag beauftragten die Stimmberechtigten ihren Gemeinderat, mit Illnau-Effretikon einen Zusammenschluss vorzubereiten.Hofstetten erwägt ein Zusammenspannen mit Elgg. Der 2012 in Kraft getretene Finanzausgleich will der Kanton kleinen Gemeinden einen Anreiz zum Fusionieren zu geben.
Quelle: Tages-Anzeiger 25.11.13
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Bauma hiess den Zusammenschluss mit 1018 zu 718 Stimmen gut, in
Sternenberg (siehe Bild) votierten 144 Stimmende für und 53 gegen die Fusion. Die
Stimmbeteiligung lag in Bauma bei 60,65 Prozent, in Sternenberg bei 75,3
Prozent. Das kleine Sternenberg büsst beim Zusammenschluss Namen
und Ortswappen ein. Dafür wird seine finanzielle Situation entschärft.
So müssen die Sternenberger künftig weniger Steuern zahlen: Ab
In-Kraft-Treten der Fusion gelten die 117 Prozent von Bauma. Bisher hat
Sternenberg einen Steuerfuss von 124 Prozent.Neue Gemeinde Bauma
Die neue Gemeinde heisst Bauma und trägt auch das Ortswappen des heutigen Bauma. Vereine und Privatpersonen dürfen gemäss Vertrag aber weiterhin das Sternenberger Wappen benutzen. Die gemeinsame Gemeindeverwaltung hat ihren Sitz in Bauma, aber auch Sternenberger können Behörden-Mitglieder sein. Nach wie vor beide Vertragsgemeinden verfügen über einen Friedhof, und auch eine Abfallsammelstelle wird in Sternenberg weiter betrieben - diese beiden Punkte waren besondere Anliegen der Bevölkerung.
3,5 Millionen Franken vom Kanton
Der Kanton unterstützt die Fusion mit 3,5 Millionen Franken. Vom Zusammenschluss betroffen sind die politische und die Schulgemeinde, die Kirchgemeinden sind vorderhand nicht einbezogen. Die Arbeiten im Hinblick auf den Zusammenschluss beginnen im kommenden Jahr. Sternenberg ist die höchstgelegene Gemeinde im Kanton Zürich. Sie liegt auf rund 900 Meter über Meer und zählt rund 330 Einwohnerinnen und Einwohner. In Bauma leben rund 4200 Einwohnerinnen und Einwohner.Das künftige gemeinsame Gemeindehaus in Bauma soll allerdings nicht saniert werden. Die Baumer Stimmberechtigten verwarfen den dafür nötigen Kredit mit 996 Nein zu 744 Ja.
Fusionen im Kanton Zürich äusserst selten
Fusionen unter den heute 171 Gemeinden im Kanton Zürich sind eine absolute Rarität. Seit den letzten Eingemeindungen in die Stadt Zürich 1930-er Jahren schlossen sich erst zwei Gemeinden zusammen: Wiesendangen und Bertschikon. Nun folgen Bauma und Sternenberg. Und auch das kleine Kyburg hat sich entschlossen, sich an einen grösseren Partner anzulehnen: Am Sonntag beauftragten die Stimmberechtigten ihren Gemeinderat, mit Illnau-Effretikon einen Zusammenschluss vorzubereiten.Hofstetten erwägt ein Zusammenspannen mit Elgg. Der 2012 in Kraft getretene Finanzausgleich will der Kanton kleinen Gemeinden einen Anreiz zum Fusionieren zu geben.
Quelle: Tages-Anzeiger 25.11.13
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